Der Scharlachkäfer
(Cucujus cinnaberinus)

Die Biodiversitätskampagne „viefaltleben“ beschäftigt sich auch mit dem Lebensraum Wald. Als Botschafter für einen artenreichen Wald galt und gilt nach wie vor der Alpenbock. Dieser eignet sich sehr gut als Artvertreter für Wälder in mittleren Lagen. Im Mittelpunkt des aktuellen Vielfaltlebenlebenprojektes steht allerdings der Scharlach-käfer, welcher zum Botschafter eines artenreichen Auwaldes auserkoren wurde!

Wo er anzutreffen ist, ist der Auwald noch in Ordnung. Hier findet sich noch Tot- und Altholz, beide Elemente tragen wesentlich zum Strukturreichtum unserer Auwälder bei. Sie sind Lebensraum einer Vielzahl von Tierarten, Pilzen, Moosen und Flechten.

Projektlaufzeit: 2016-2017
Projektmitarbeiter:

  • Mag. Margit Gross
  • Mag. Günther Loiskandl

Projektpublikationen:

  • Naturschutz bunt Artikel zum Scharlachkäfer von Ulrich Straka ...download

Näheres zum Projekt:

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Projektziel

Mithilfe des Scharlachkäfers als Leitart werden Maßnahmen für eine naturverträgliche Bewirtschaftung der Auwälder diskutiert. Ein Schwerpunkt der Projektaktivitäten liegt in den Tullnerfelder Donauen.


Biologie

Der Scharlachkäfer ist ein Käfer aus der Familie der Plattkäfer. Die Gattung Cucujus ist nach dem brasilianischen Cúcujo benannt, was „leuchtender Käfer“ bedeutet. Kopf und Halsschild des Käfers sind rot gefärbt und leicht glänzend, die Flügeldecken sind matt rot.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Scharlachkäfers erstreckt sich von Frankreich über die Schweiz und Österreich bis nach Osteuropa. In Österreich konnte der Scharlachkäfer bisher in allen Bundesländern, bis auf Kärnten und Vorarlberg, nachgewiesen werden. Gut belegte Bestände gibt es in den Tieflandauen entlang der Donau in Wien, Niederösterreich und Oberösterreich sowie auch entlang der Salzach in Salzburg und Oberösterreich. Auch sind vereinzelte Funde im Burgenland und der Steiermark zu nennen.

Lebensraum

Man findet den Käfer unter der Rinde von absterbenden oder toten Laubbäumen. Auch die Larven entwickeln sich dort. Der Käfer überwintert als Adulter unter der Rinde und pflanzt sich im Frühjahr fort. Die Weibchen legen ihre Eier unter die Rinde geeigneter Bäume, wobei der Zersetzungsgrad der Bastschicht wichtig ist. Wirtspflanzen sind hauptsächlich Pappeln, Ahorn, Buche, Rosskastanie und Eichen. Bei der Verbreitung des Scharlachkäfers kommt es zu regionalen Unterschieden. In eher kontinentalen Regionen wie den Donauauen werden bevorzugt Pappeln und Weiden besiedelt, in alpinen Regionen eher Ulmen, Esche, Ahorn und Buche.

Lebensweise

Der Scharlachkäfer (Cucujus cinnaberinus) ist ein im Verborgenen lebender Käfer. Er kann bei schneller Betrachtung mit dem Scharlachroten Feuerkäfer verwechselt werden, ist aber mit mit einer Länge von 11 bis 15 cm kleiner als dieser und auch stärker abgeplattet.

Imagines sind im Frühjahr und im Herbst zu finden. Die Larven entwickeln sich in absterbenden und toten Bäumen und brauchen für ihre Entwicklung ca. 2 Jahre oder mehr. Während des Sommers kommt es zur Verpuppung und die Imagines schlüpfen etwa 10 Tage nach der Verpuppung. Sie überwintern unterhalb der Rinde und pflanzen sich im kommenden Frühjahr fort


Gefährdung und Schutz

Die Art ist als FFH-Art geschützt (Anhang II und IV). Der Erhaltungszustand gilt laut Art. 17 Bericht in der alpinen Region als ungünstig-schlecht und in der kontinentalen Region als ungünstig-unzureichend (U1). Innerhalb Mitteleuropas beherbergt Österreich neben Tschechien und der Slowakei die umfangreichsten Bestände des Scharlachkäfers. In Niederösterreich sind folgende Gebiete zum Schutz des Scharlachkäfers ausgewiesen: Wienerwald-Thermenregion, Tullnerfelder Donauauen, Bisamberg, March-Thaya-Auen, Donau-Auen östlich von Wien, Ötscher-Dürrenstein. Allerdings kommt er in weiteren Europaschutzgebieten vor, wie neue Daten zeigen.

Eine langsam steigende Verbesserung der Lebensbedingungen für den Scharlachkäfer ist die vermehrte Totholzduldung entlang von Fließgewässern wie auch in Schutzgebieten. Allerdings sind in vielen Wäldern noch immer sehr geringe Mengen Totholzmengen vorzufinden. Ein Grund dafür ist möglicherweise die vermehrte Biomassenutzung, bei der alle anfallenden Baumteile (auch vermorschte Teile mit an sich geringem Heizwert) aufgearbeitet werden. Diese Vollbaumnutzung ist aus forstökologischer Sicht bedenklich. Neben einer Strukturverarmung in solch bewirtschafteten Wäldern wird auch ein massiver Eingriff in die Nähstoffverträglichkeit der Böden befürchtet.

Bei einer naturnahen Bewirtschaftung mit ausreichendem Totholzangebot kann der Scharlachkäfer aber auch in Bergmischwäldern überleben.

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Projektmaßnahmen

  • Interviews zum Thema naturverträgliche forstliche Nutzung von Auwäldern (insbesondere Natura 2000 Wälder). Im Rahmen von Gesprächen (Interviews) mit Experten vom Bundesamt für Wald, der Universität für Bodenkultur, Schutzgebietsverwaltungen sowei der Forstverwaltung, sollen die Möglichkeiten und die Rahmenbedingungen für eine naturverträgliche Bewirtschaftung von Auwäldern erfragt werden.
  • NÖ Naturschutztag 2016 zum Thema Auwald am 15. Oktober 2016 in Stockerau
  • Kommunikation mit den Gemeinden (falls Grundeigentümer) und großen Forstbetrieben der Tullnerfelder Donauauen
  • Schwerpunktheft Naturschutz bunt
  • Weiterführung des Tullnerfelder Donauauen Forums

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