© D. Manhart

Der Fischotter - wieder zurück an unseren Gewässern

Vor nicht allzulanger Zeit war der Fischotter fast aus Niederösterreich verschwunden. Heute breitet er sich erfolgreich aus. Damit werden unsere heimischen Ökosysteme um ein beinahe verloren gegangenes Element außerordentlich bereichert.

Das öffentliche Interesse am Fischotter, ist seit dem Bekanntwerden von Konflikten gewachsen. In Medien findet er reges Interesse, leider allzu oft in einer einseitigen Berichterstattung.

Stellungnahmen u.a.:

Publikationen:

Informationen zum Fischotter:

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© Andreas KranzLebensweise und Lebensraum
Der Fischotter - heimisch in unseren Gewässern

Wendiger Unterwasserjäger: Nach Vielfraß und Dachs ist der Fischotter der drittschwerste Vertreter der Marderartigen in Europa. Die Männchen werden etwa 7-10 kg schwer, Weibchen sind wesentlich leichter. Otter sind kurzbeinig und haben einem behaarten, muskulösen Schwanz, einen stromlinienförmigen Körper und einen kleinen Kopf. Beim Tauchgang hält er Ohren und Nase verschlossen; bei Dunkelheit oder im trüben Wasser dient ihm sein dichter "Schnurrbart" als Ortungshilfe. Beim Tauchen hinterlässt er eine Perlenkette von Luftbläschen, die aus seinem Fell aufsteigen - 50.000 Härchen mitsamt Luftpolster halten ihn warm.

Leben als Einzelgänger: Die Jungen werden von der Mutter ein Jahr und länger geführt, bis sie selbst im Fischfang ausreichend Erfahrung haben. Danach leben sie als Einzelgänger. Die arteigene Kommunikation erfolgt primär über Gerüche (Losung, Analsekrete). Bei starker Vereisung kommt es mitunter vor, dass sich mehrere Otter an offenen Wasserflächen treffen, wo sie Fische erbeuten können.

Des Otters Paradies: Der Wassermarder besiedelt alle Fließ- und Stillgewässertypen, die ausreichend Fische und Verstecke aufweisen. An Land hält er sich am breiten Uferstreifen der Gewässer auf; dort schläft er in Reisighaufen und dichtem Gebüsch sowie in Uferhöhlen, die die Fluten in die Wurzelteller gefräst haben. Das Streifgebiet eines Otterweibchens kann 5 bis 20 km Flusslauf plus die dort mündenden Seitenbäche und Stillgewässer umfassen; jene der Männchen sind in der Regel doppelt so groß.

Viele Todesopfer: Der Otter hat nur ein sehr dünnes Fettpolster; daher muss er ständig Nahrung aufnehmen. Natürliche Todesursachen sind das Verhungern sowie das Ertrinken unter dem Eis und bei Hochwasser. Jungtiere und Halbwüchsige sind dabei besonders gefährdet. Weitere Gefahren: Straßenverkehr, Fischreusen, direkte Nachstellung. Wenn Umweltgifte die Gewässer belasten, kann ein Fischotterbestand sehr schnell zusammenbrechen. In Freiheit werden Fischotter selten älter als 10 Jahre.

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Fischotterbaby © Robert HofrichterGefährdung und Schutz
Der Fischotter ist europaweit geschützt

Gejagt bis zur Ausrottung. Der Fischotter kam früher in ganz Osterreich vor, war aber nirgends häufig. Bereits in der Steinzeit wurde er gejagt, des Fleisches und des Pelzes wegen. Im Mittelalter sorgten Otterjäger für den Schutz der Fischwässer - ohne den Fischotter auszurotten. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts spornten hohe Prämien und hasserfullte Hetzschriften die Jagd auf ihn an. Mit Knüppeln und Stechhaken, Netzen und Schlageisen sowie speziellen Otterhunden wurde ihm überall aufgelauert. Ein Waldviertler Jäger erbeutete im Winter 1908 rund 50 Otter. Mitte des 20. Jahrhunderts gab es nur vereinzelte Vorkommen, vor allem entlang des Eisernen Vorhangs. Ende der 1940er Jahre wurde er in ganz Österreich unter jagdliche Vollschonung gestellt.

Erfolgreiches Comeback: Seit 25 Jahren nimmt der Bestand wieder zu. Bis 1999 beschränkte sich das Vorkommen auf das Waldviertel; heute sind Otter auch südlich der Donau fast flächendeckend nachweisbar; eine größere Verbreitungslücke besteht nur noch im Weinviertel. Derzeit gibt es in Niederösterreich 300 bis 500 Exemplare. Entgegen immer wieder geäußerten Meinungen wurden in Österreich niemals Otter angesiedelt. Die Wiederbesiedelung seiner vormaligen Reviere erfolgt ausschließlich auf natürlichem Wege!

Galionsfigur des Artenschutzes: In der "Roten Liste der gefährdeten Säugetiere Österreichs" rangiert der Fischotter als vom Aussterben bedrohte Art in der höchsten Gefährdungskategorie. Er ist in allen neun österreichischen Bundesländern unter Schutz gestellt; auf seine Tötung sind Geld- oder Freiheitsstrafen ausgesetzt. sein Schutz ist in Niederösterreich im Jagdrecht geregelt: Er gilt als jagdbares Wild mit ganzjähriger Schonzeit. Osterreich hat ein internationales Abkommen zu seinem Schutz unterzeichnet: Washingtoner Artenschutzabkommen/ ClTES, Berner Konvention und ist der Fauna-Flora- Habitat-Richtlinie der EU verpflichtet. Es hat damit für einen günstigen Erhaltungszustand der Art Sorge zu tragen.

Der rechtliche Rahmen zum Umgang mit Konflikten: Der Fischotter ist laut europäischem Recht streng geschützt, er ist in der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie angeführt. Dies bedeutet, dass ein günstiger Erhaltungszustand für den heimischen Bestand zu erreichen bzw. zu erhalten ist. Der günstige Erhaltungszustand bedeutet, dass:

  • aufgrund der Daten über die Populationsdynamik der Art anzunehmen ist, dass diese Art ein lebensfähiges Element des natürlichen Lebensraumes, dem sie angehört, bildet und langfristig weiterhin bilden wird, und
  • das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Art weder abnimmt noch in absehbarer Zeit vermutlich abnehmen wird und
  • ein genügend großer Lebensraum vorhanden ist und wahrscheinlich weiterhin vorhanden sein wird, um langfristig ein Überleben der Populationen dieser Art zu sichern.

Ist dieser günstige Erhaltungszustand gegeben und wird er durch die Maßnahme nicht beeinträchtigt, dann sind laut §16 der FFH-RL unter bestimmten Voraussetzungen Maßnahmen zur Regulierung der Population erlaubt.

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© Andreas KranzKonflikte mit dem Fischotter
Nicht überall willkommen

Fischarme Gewässer: Mit dem Ausbau der Wasserkraft, der Wildbachverbauung und Flussregulierung nach dem 2. Weltkrieg, sowie der starken Verschmutzung wurden unsere Gewässer immer lebloser. Bis heute können sich Jungfische und andere wassergebundene Arten kaum noch natürlich vermehren. Der Besatz löst das Grundproblem jedoch nicht. Da hohe Summen in Kauf oder Pacht von Fischereilizenzen und in die Bewirtschaftung von Fließgewässern investiert werden, ist es verständlich, dass Fischereiberechtigte aufgebracht sind, wenn „ihre“ Fische gefressen werden. Was tun? Um die Artenvielfalt zu steigern, müssen natürliche Fließgewässer und deren Umfeld als Lebensraum für Fischotter & Co. erhalten bzw. wiederhergestellt werden.

Schutz der Fischteiche: Aufgrund der Trockenlegung von Kleingewässern und Feuchtgebieten gingen wichtige Lebensräume und Nahrungsquellen verloren. Zuchtteiche sind für Otter attraktive Ersatzbiotope, wo es Beute in hoher Dichte gibt. Im Waldviertel wurden eine Vielzahl kleiner Teiche mit Elektrozäunen ausgestattet, um die Otter von den Fischen fernzuhalten. Die so geschmälerte Nahrungsbasis hält die Anzahl der im Gebiet lebenden Fischotter ziemlich in Grenzen.

Mehr Naturerleben. Der Fischotter wirkt auf Menschen, die sich nicht von ihm geschädigt fühlen, ausgesprochen anziehend. Otter werden als liebenswerte, spaßige, intelligente Tiere empfunden, deren Eleganz und Wendigkeit beim Schwimmen und Tauchen bewundert wird. Auch Fischer schätzen Gewässer, deren Unversehrtheit durch das Vorkommen von Wasseramseln, Eisvögeln und Fischottern bewiesen wird. Der Erholungswert einer Landschaft wird als umso höher eingestuft, je natürlicher und artenreicher sie ist.

Des Otters Nachbarn : Auch andere gefährdete Tierarten fühlen sich im "Otterparadies" wohl: Wasseramsel, Bachforelle, Edelkrebs, Flußperlmuschel, Eisvogel

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© Robert HofrichterNicht alles stimmt, was zum Fischotter gesagt und geschrieben wird
Häufige Behauptungen zum Fischotter

Fressen die Otter die Bäche leer? Nein. Unter naturnahen Bedingungen haben Wildfische genügend Möglichkeiten, dem Otter zu entwischen. In Fließgewässern bevorzugt er langsamere Fischarten gegenüber schnelleren; somit erbeutet er eher Weißfische oder Barsche als flinke Forellen (die den Fischern besonders wichtig sind). Generell frisst er vorwiegend kleinere Fische (10 bis 20 cm lang).

Fraßreste als Beweismittel? Der Otter verspeist nicht immer die gesamte Beute. Reste vom Festmahl locken viele Tiere gerne an. Auch angebissene Fische müssen nicht vom Otter stammen. Es kommt vor, dass Fische aus anderen Gründen sterben und ans Ufer gespült werden, wo sie dann von Füchsen oder Krähen gefressen werden. Aufgepasst: ohne Nachweis von Trittsiegel oder Kot gibt es keinen Beweis, dass da ein Otter gefressen hat! Er hinterlässt keine typische Fraßspuren; verstreut liegende Futterreste können auch von einem einzigen Otter stammen.

Eine Gefahr für Gefährdete? Fischotter fressen zwar Amphibien, Krebse und vereinzelt Muscheln, aber sicherlich nicht in einem Ausmaß, dass deren Bestände gefährden würde. Der Fischotter ist mitnichten für das Aussterben des Edelkrebses verantwortlich, wie fälschlich behauptet wird. Der Rückgang der heimischen Krebsarten geht auf das Einbringen von fremden Krebsarten (z.B. Amerikanischer Signalkrebs) zurück. Weiteres Problem: Die Dominanz der (amerikanischen) Regenbogenforelle hat unsere heimische Bachforelle fast zur Gänze verschwinden lassen. Diese ist aber für die Fortpflanzung der Flussperlmuschel unbedingt notwendig.

Wurden Otter ausgesetzt? Leider findet das Gerücht von der Aussetzung von Fischottern immer wieder Nahrung durch unbewiesene Behauptungen und tendenziöse Berichterstattung. Weder in Niederösterreich noch in anderen Gebieten Osterreichs kam es jemals zur Wiederansiedlung von Ottern. Sie haben sich aus eigener Kraft, weitgehend unbemerkt, ausgebreitet.